Training für die Blase
Beckenboden- und Reflexzonentraining können die Blasenfunktion manchmal wieder normalisieren. Dank moderner Hilfsmittel schränkt auch ein Leben mit Inkontinenz den Alltag kaum noch ein.Im Überblick
Kontinenz- und Blasentraining
„Ein Blasentraining kann helfen, die Kontrolle über die Blase zu verbessern“, sagt Sebastian Mersmann, Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Vor allem eine überaktive Blase lässt sich durch gezieltes Training beruhigen, die Zeiten zwischen den Toilettenbesuchen werden verlängert. Allerdings sollte das Blasentraining nicht einfach auf eigene Faust begonnen werden. Vorher sollte ein Arzt aufgesucht werden, der Patient sollte von einer speziell weitergebildeten Physiotherapeutin angeleitet werden.
Ein wichtiges Hilfsmittel für das Blasentraining ist das
Miktionsprotokoll, manchmal auch Blasentagebuch genannt. Darin notieren Betroffene die Menge an Flüssigkeit, die sie über den Tag verteilt trinken, jeden Toilettengang und jeden ungewollten Harnverlust. So gewinnen Arzt und Patient einen Überblick über Trinkverhalten und eventuell daraus resultierende Probleme.
Hier können Sie das Toiletten-/Trinkprotokoll kostenlos herunterladen.
Im nächsten Schritt versuchen die Patienten, die Abstände zwischen den Toilettengängen langsam zu steigern – allerdings ohne sich dabei zu sehr unter Druck zu setzen. Am Anfang genügt es, rund zehn Minuten länger zwischen den Toilettengängen zu warten. Angst vor einer Schädigung der Blase müssen Betroffene dabei nicht haben: Das Muskelgewebe der Harnblase kann sich so weit ausdehnen, dass das bewusste Zurückhalten des Urins keine Schädigung verursacht. Auch wenn ein starker Harndrang einsetzt, sollten Patienten beim Blasentraining versuchen, den Toilettengang noch um einige Minuten hinauszuzögern. So lässt sich die Blase trainieren, wieder mehr Urin aufzunehmen.
Wichtiger Bestandteil des Trainings ist auch die Steuerung des Trinkverhaltens – regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme und der Verzicht von blasenstimulierenden Getränken wie Kaffee, Tee oder Alkohol kann dabei helfen, die Zahl der Toilettenbesuche zu verringern.
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Kontinenztraining – auch im Alter sinnvoll
Für Pflegende, aber auch für die Betroffenen selbst erscheint es oft schwer vorstellbar, dass alte, pflegebedürftige Menschen damit aufhören können, sich einzunässen. Willentlich mag dies vielleicht auch nicht möglich sein, aber es gibt so einige Tricks und Kniffe.
Bei älteren, pflegebedürftigen Menschen, die nicht vollkommen bettlägerig sind, sollten die Pflegenden oder – falls möglich – die Betroffenen selbst ein Miktionsprotokoll führen. Sie sehen schon: Diese Aufzeichnungen sind das Nonplusultra im Kampf gegen Harninkontinenz. Aus diesen Notizen wird ersichtlich, in welchen Zeitabständen der Betroffene seine Blase enleeren muss. Damit sich der Patient nicht einnässt, kann man ihn vor „seiner“ eigentlichen Zeit daran erinnern, zur Toilette zu gehen, oder ihn dorthin führen. Ist niemand in der Nähe, kann auch ein gestellter Wecker den Betroffenen daran erinnern, eine Toilette aufzusuchen. Sind die Zeitabstände zwischen den einzelnen Blasenentleerungen sehr kurz, kann versucht werden, diese durch eine ganz allmähliche Steigerung der Intervalle zu verlängern. Damit es nicht zu nächtlichem Einnässen kommt, hilft ebenfalls der Trick mit dem Wecker.
Bei Menschen mit Demenz, das heißt Störungen des Hirns wie der Alzheimerschen Krankheit, müssen die Pflegenden eingreifen. Sie sollten einen Miktionsplan führen und können somit feststellen, wann der Patient in der Regel einnässt. Kurz vor dieser Zeit sollten sie den Betroffenen dann zur Toilette geleiten.
Das Kontinenz- oder Toilettentraining unterscheidet sich in höherem Alter und bei Pflegebedürftigkeit selbstverständlich von den Trainingsmethoden, die in jüngeren Lebensjahren durchgeführt werden.
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Beckenbodentraining
In der Regel sind es Frauen, die unter Stressinkontinenz leiden, weil ihre Beckenbodenmuskulatur und damit der Verschluss der Harnröhre geschwächt ist. Daher wendet sich die Beckenbodengymnastik, mit der die Muskeln wieder gestärkt werden sollen, vorwiegend an Frauen, aber auch Männer sind natürlich dazu aufgefordert, ihren Beckenboden zu trainieren. Mit Beckenbodengymnastik sollten Frauen möglichst bereits in jungen Jahren beginnen, um einer späteren Harninkontinenz vorzubeugen. Vor allem nach einer
Geburt ist das Training wichtig, da die Beckenbodenmuskulatur durch das Pressen des Kindes durch den Geburtskanal strapaziert, das heißt überdehnt wird.
Hier kommen Sie zu den Beckenbodenübungen
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Die Schwierigkeit, den Beckenboden zu spüren
Das größte Problem zu Beginn des Beckenbodentrainings liegt darin, dass viele Frauen überhaupt nicht wissen, wo ihre Beckenbodenmuskulatur liegt. Auch Frauen, die ihre Beckenbodenmuskulatur kennen, haben oft Schwierigkeiten, ausschließlich diese Muskeln anzuspannen. Zumeist werden die Bauchmuskeln gleichzeitig mit angespannt, was den Druck auf den Bauchraum erhöht und die Beckenbodenmuskeln belastet. Also muss ein Beckenbodentraining zwangsläufig damit beginnen, sich seiner Muskeln bewusst zu werden. Eine Schemazeichnung verdeutlicht Ihnen zunächst einmal die Lage.
Die meisten Frauen kennen ihren Beckenboden kaum. Sie müssen erst wieder ein Gefühl für ihn entwickeln.
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Entwickeln Sie ein Gefühl für Ihre Muskulatur!
Erfühlen können Sie die Muskeln am besten, wenn Sie sich auf den Rücken legen. Anschließend winkeln Sie die Knie an und stellen die Füße auf den Boden. Dann lassen Sie die Beine locker zur Seite fallen, sodass Sie breitbeinig liegen. Jetzt versuchen Sie einmal, sich Ihre Beckenbodenmuskulatur, die den gesamten Bauchraum durchzieht, vorzustellen: Sie liegt zwischen dem Schambeinknochen und der Spitze des Steißbeins.
Eine Kräftigung des Beckenbodens hat die angenehme Nebenwirkung, dass auch die sexuelle Empfindsamkeit gesteigert wird.
Nun nehmen Sie einen Finger zu Hilfe und legen ihn auf den Damm, das heißt auf die Haut zwischen Scheidenöffnung und After. Jetzt kneifen Sie die Afteröffnung zusammen und versuchen den After nach innen zu ziehen. Dabei müssen Sie die Beckenbodenmuskeln bewegen. Wenn Sie mit dem Finger spüren, dass sich der Damm nach oben, also vom Finger weg bewegt, machen Sie es richtig. Als Letztes führen Sie zwei Finger etwa vier Zentimeter weit in die Scheide ein und spreizen die Finger anschließend, sodass sie an beiden Seiten die Scheideninnenwand leicht wegdrängen. Wenn Sie die eben beschriebene Übung wiederholen und Ihre Finger anschließend wieder aneinandergedrückt werden, bewegen Sie auch die Beckenbodenmuskulatur.
Falls bei diesen Übungen auch nach mehrmaligem Probieren nicht die eben beschriebene Reaktion eintritt, sollten Sie das Beckenbodentraining unter Anleitung durchführen. Fragen Sie dazu am besten Ihren Gynäkologen. Im Folgenden finden Sie nun einige Übungen, die Ihre Beckenbodenmuskulatur stärken werden.
Mehrmals täglich sollten die Übungen für die Beckenbodenmuskeln schon durchgeführt werden.
Hier kommen Sie zu den Beckenbodenübungen
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Aktives Training Tag für Tag
Die eben beschriebenen Übungen sollten jeden Tag mehrmals durchgeführt werden. Nur so haben Sie nämlich tatsächlich einen Nutzen im Kampf gegen die Stressinkontinenz.
Versuchen Sie, täglich mindestens zehn bis 15 Minuten für das Beckenbodentraining einzuplanen. Sie müssen dafür keinen strikten Zeitplan aufstellen, Sie können die Übungen auch immer wieder zwischendurch machen. Wichtig ist auch, dass Sie sich nicht überanstrengen. Führen Sie die Übungen aus, sooft Sie wollen und können. Und vergessen Sie nicht die Entspannungsphasen zwischen den einzelnen Übungen. Sie sind ebenfalls wichtig für den Aufbau der Muskulatur. Vor dem Training sollten Sie auch Ihre Blase entleeren.
Ein regelmäßiges Training der Beckenbodenmuskulatur ist das A und O für die Stärkung dieser Muskulatur.
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Steigern Sie ganz allmählich den Schwierigkeitsgrad
Sie verfolgen mit den Übungen ja ein ganz bestimmtes Ziel: Sie wollen Ihre Beckenbodenmuskulatur stärken. Nach etwa sechs Wochen stellen sich in der Regel die ersten Erfolge ein. Sie können nun einmal ausprobieren, ob Sie es schaffen, den Urin zu halten.
Starten Sie Ihr Trainingsprogramm nicht mit völlig leerer, sondern mit leicht gefüllter Harnblase. Spannen Sie den Beckenboden an, so stark Sie können. Nun bringen Sie sich in eine Situation, in der Sie häufig Urin verloren haben. Husten Sie beispielsweise stark, oder beginnen Sie zu hüpfen. Verlieren Sie nun keinen Urin mehr, haben Sie die erste Hürde genommen. Falls Ihnen das gelungen ist, sollten Sie nach geraumer Zeit ausprobieren, ob Sie es auch mit stärker gefüllter Harnblase schaffen, den Urin zurückzuhalten. Lassen Sie sich jedoch auf keinen Fall entmutigen, wenn doch etwas Urin abgehen sollte, sondern setzen Sie Ihr Training fort und versuchen Sie später noch einmal, sich einer Belastungssituation auszusetzen.
Sind nach einiger Zeit jedoch gar keine Fortschritte zu merken, wenden Sie sich an Ihren Arzt. Es kann sein, dass Sie sich einer Operation unterziehen müssen. Das Beckenbodentraining ist aber in jedem Fall auch eine gute Vorbereitung auf die Operation.
Wenn Sie mit Ihrem Training schon weiter fortgeschritten sind, können Sie beginnen, mit leicht gefüllter Harnblase – also unter erschwerten Umständen – zu trainieren.
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Training mit anderen?
Ob Sie lieber allein oder in einer Gruppe mit dem Bauchmuskeltraining beginnen, bleibt Ihnen natürlich selbst überlassen. Eine Gruppe bietet den Vorteil, dass sich die Teilnehmer untereinander anspornen können und dass man nette Leute kennen lernt. Für manche Menschen sind auch die festen Trainingszeiten wichtig. Ein Training in der Gruppe hat außerdem den Vorteil, dass man sich zu den Übungszeiten wirklich nur auf das Vorhaben konzentriert, bewusst etwas für seinen Körper zu tun, während man in den eigenen vier Wänden doch häufig abgelenkt wird. Die Übungsgruppen finden außerdem in der Regel unter fachkundiger Anleitung statt, was ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Man kann also gleich überprüfen lassen, ob die Bewegungen richtig ausgeführt werden. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Arzt, ob es in Ihrer Nähe eine Übungsgruppe gibt, die auf Beckenbodengymnastik ausgerichtet ist.
Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, die Übungen unter Aufsicht eines Krankengymnasten zu erlernen. In diesem Fall wird zwar nicht unbedingt in einer Gruppe trainiert, aber dies hat den Vorteil, dass sich der Krankengymnast ausgiebig um Sie kümmern kann.
Sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt auch über diese Möglichkeit.
Ob Sie allein oder in einer Gruppe trainieren, bleibt vollkommen Ihnen überlassen.
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Reflexzonentherapie
Die Reflexzonentherapie beruht auf der Annahme, dass bestimmte Regionen der Körperoberfläche in einer besonderen Verbindung mit inneren Organen stehen. Eine äußerliche Behandlung, beispielsweise per Akupunktur oder Fußmassage, hat dieser Theorie zufolge auch Einfluss auf die Organe im Körperinneren.
Die Schulmedizin betrachtet die Reflexzonentherapie immer noch mit gewissen Vorbehalten, da in Studien bislang kein eindeutiger Nachweis für die Wirksamkeit erbracht wurden.
Am weitesten verbreitet ist die Fußreflexzonentherapie. Dabei bekommt der Patient eine Druckmassage an den Füßen. Dadurch sollen die Beckenboden- und Bauchmuskeln stimuliert werden. Auch der Bandapparat, der bei Frauen nach einer Geburt häufig in Mitleidenschaft gezogen ist, profitiert nach Ansicht von Therapeuten von der Reflexzonenbehandlung.
Wenn Erkrankungen wie
Thrombosen oder schwere Psychosen vorliegen, ist eine Fußreflexzonenmassage nicht erlaubt. Deshalb sollten Hilfesuchende sicher gehen, dass ihr Therapeut ein zertifizierter Physiotherapeut oder Heilpraktiker mit entsprechender Zusatzqualifikation ist.
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Taping
Eine neue Entwicklung in der Therapie von Harninkontinenz ist der Einsatz von besonderen Klebestreifen auf der Haut, sogenannten „Tapes“. Diese Behandlungsform wurde in Japan entwickelt. Unter dem Namen
K-Taping oder
Kinesiotaping werden diese Klebebänder von Physiotherapeuten bereits seit längerem verwendet, um Muskelverspannungen und Ungleichgewichte der Muskulatur zu behandeln. Vor allem bei der Dranginkontinenz werden die hochelastischen, atmungsaktiven und hautverträglichen Bänder auf die Haut im Bereich des
Sakralwirbels S1 geklebt.
Am Evangelischen Geriatriezentrum Berlin (EGZB) wurde dazu kürzlich eine Vorstudie abgeschlossen, um die Effekte des Tapings zu beurteilen: „Wir haben insgesamt sehr positive Ergebnisse erzielt“, sagt Dr. Eric Hilf, Oberarzt am EGZB. „Bei getapten Patienten haben wir eine Reduktion des Harndrangs und der inkontinenten Phasen beobachtet“, erklärt er. Er verweist allerdings auch darauf, dass es noch keine wissenschaftlichen Studienergebnisse dazu gibt. „Eine entsprechende Studie wäre für uns natürlich sehr interessant“, so Hilf.
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